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QUEEN OF FATE & FIRE BONUSSZENE

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Die Tätowiermaschine in meiner Hand summte, während ich einem Porträt von Lilith noch ein wenig mehr Schattierung hinzufügte. In Anbetracht dessen, dass sie meine Großmutter war – gewissermaßen –, verlieh ich dem Tattoo einen Schuss Realismus und auch ein paar Segnungen. Die Frau auf meinem Stuhl schlief, ihre Kopfhörer steckten in ihren Ohren, während ich vor mich hinarbeitete; ihr Bedürfnis nach Schutz war groß genug, dass der Zauber, den ich in die Tinte webte, sie für eine ganze Weile beschützen würde.

 

Ich wusste, ich hatte geschworen, den Menschen nicht mehr zu helfen, aber das hier war etwas, das ich unter dem Radar tun konnte.

 

Außerdem war es wie ein tiefes Durchatmen, wieder in meinem Laden zu sein. Die Normalität, die anderen Künstler, das Ausbleiben von Drama. Wenn ich könnte, würde ich das für immer so beibehalten.

 

»Max«, zischte Striker. Seine Präsenz hinter mir überraschte mich kein Stück. Und ja, ich ignorierte ihn.

 

Nachdem wir uns vier Monate Auszeit gegönnt hatten – den Großteil davon an Sandstränden mit sehr wenig Kleidung –, kehrte Alistair zum Rat zurück, ich ging zurück in den Laden, und wir begannen unser gemeinsames Leben. Es war herrlich …

 

»Max.«

 

Nö. Keine Antwort.

Vielleicht würde er, wenn ich ihn bis ans Ende der Zeit ignorierte, einsehen, dass ich unter keinen Umständen das tun wollte, was er von mir verlangte, und mich kurzerhand in Ruhe lassen würde. Ich war mit Dingen beschäftigt, die wichtig waren, und ich wollte auf gar keinen Fall—

»Maxima«, grollte er mit einem drachenartigen Unterton, der die Fensterscheiben klirren ließ.

 

 »Was?«, schnauzte ich, ohne auch nur von meiner Arbeit aufzusehen. Ich wusste verdammt noch mal, was, und ich hatte keine Lust dazu.

 

»Willst du Alistair wirklich mit all deinen Gästen allein lassen?«

 

Das brachte mich dazu, aufzublicken. »Ich habe nicht Hinz und Kunz für einen nachträglichen Empfang nach Aether eingeladen. Ich habe diese ganzen Pläne nicht gemacht. Wenn er gewollt hätte, dass ich in einem hübschen Kleid aufkreuze, hätte er mich wohl fragen müssen.«

 

Okay, ein bisschen Drama gab es also doch.

In gewissen Kreisen war unsere Ehe noch nicht anerkannt, weil wir nicht wie gottverdammte Dressurponys herumstolziert waren, und Alistair bekam Gegenwind von den Dämonen. Da außer unserem Freundeskreis niemand wusste, wer ich wirklich war, hatte er beschlossen, eine riesige Party zu schmeißen, um alle zum Schweigen zu bringen.

 

Betonung auf er.

»Ach, komm schon. Mach einfach fertig, bevor Bernadette hier reingewalzt kommt. Oder schlimmer noch: Barrett.«

 

Grummelnd legte ich letzte Hand an das Porträt von Lilith – alias Bernadette – und rechnete mit meiner Kundin ab. Zugegeben, ich musste sie erst aufwecken, aber ja. Man erkennt immer an ihrer Entspannung, wer die Traumatisiertesten auf dem Stuhl sind. Die absolute Spitze des Spektrums?

 

Diejenigen, die schlafen.

 

»Kann ich meinen nächsten Termin buchen?«, fragte sie und reichte mir ihre Kreditkarte.

 

Meine Warteliste war auf achtzehn Monate ausgebucht, also ergab es Sinn, zu reservieren, solange das Eisen noch heiß war. Diese hier ließ mich jedoch kurz innehalten.

 

»Klar, Süße. Striker hier wird dich einbuchen. Da du schon mal da warst, bringt er dich früher unter. Drei Monate?«, fragte ich, wohl wissend, dass er zuhörte. Ja, ich hatte das Gefühl, dass ich später noch tiefer involviert sein würde, aber für den Moment sollten die Segnungen im Tattoo sie erst einmal schützen.

 

»Wirst du dich jetzt fertigmachen?«, erwiderte er, als wäre es eine Drohung.

 

Augenrollend nickte ich. Als ob er einem Menschen, der Hilfe brauchte, nicht beistehen würde. Aber ich würde Alistair auch nicht allein den Dämonen überlassen.

 

Ich verabschiedete mich, ging in mein Büro und schnippte, wie an jedem anderen Tag auch, mit den Fingern. So sehr ich das Autofahren auch liebte – und ich liebte es seeeehr –, auf den Verkehr in Denver hatte ich keine Lust. Vielleicht nie wieder.

 

Aber ich wollte auch nicht direkt nach Aether. Wie so oft, wenn ich halb in Panik war, weil ich etwas nicht tun wollte, begab ich mich zu Barrett.

 

Er war so daran gewöhnt, dass ich einfach in seinem Arbeitszimmer auftauchte, dass er nicht einmal mehr von seinem Buch aufsah.

 

»Du bist nicht angezogen«, brummte er und blätterte um, sein Anzug und seine Krawatte saßen tadellos. »Diese Party geht in T-minus dreißig Minuten los, und du siehst aus wie ein kleiner Herumtreiber.«

 

Ich sah nicht aus wie ein Herumtreiber. In Röhrenjeans, Chucks und einem T-Shirt war ich der Inbegriff von lässig-cool, verdammt noch mal. Seufzend schnippte ich mit den Fingern.

 

»Besser?«

 

Da blickte Barrett auf. Mein blaues Haar lag nun in glamourösen Wellen, mein Outfit war durch ein gerafftes Kleid im Meerjungfrauen-Stil ersetzt worden, das sowohl meine Brüste als auch meine Hüften zu den Stars der Show machte. Außerdem hatte ich wohl meine Tarnung abgelegt – und zeigte mein blaues Haar, meine goldenen Augen, meine spitzen Ohren und alles andere.

 

Ich war eine Tochter des Chaos und einer Fae, die ihr Leben für mich gegeben hatte. Ich war auch die Tochter von Andras und Teresa Alcado. Es wurde Zeit, dass ich sie ehrte.

 

Stolz trat in Barretts Augen. »Dieses weiße Kleid täuscht absolut niemanden, aber Schätzchen, du bist wunderschön.«

 

»Glaubst du, es wird ihm gefallen?« So, wie ich Alistair kannte, wäre es ihm viel lieber, mich daraus zu befreien, als mich darin zu sehen.

 

Barrett schnaubte. »Der Ritter wird bei diesem Anblick Mühe haben, sich an sein Gelübde zu erinnern. Ich stehe nicht mal auf Frauen, und sogar ich—«

 

»Gelübde? Was für ein Gelübde, Barrett?«

 

Man hatte mir gesagt, das sei ein Empfang. Bei einem Empfang gibt es keine Gelübde. Niemand hatte etwas von Gelübden gesagt.

 

Barretts Gesicht wurde bleich, während er sich auf die Lippen biss.

 

»Na toll, jetzt ist die Katze aus dem Sack«, sagte Marcus von der Tür aus, gefolgt von Hideyo und Aidan. Die drei Männer schritten in eleganten Anzügen in den Raum.

 

Aidan stieß einen bewundernden Pfiff aus. »Gehst wohl voll auf Fee-Knicklicht, was? Gute Arbeit. Das wird diese Dämonen-Arschlöcher dazu bringen, den Schwanz einzuziehen und zu verschwinden.«

 

Ich zeigte ihm den Mittelfinger und marschierte zu Barretts Schreibtisch hinüber.

 

Aidan konnte so ein griesgrämiger Mistkerl sein, wie er wollte.

 

Ich hatte ein Gelübde zu schreiben.


 

Der blassblaue Marmorboden klickte erneut unter meinen Absätzen, aber dieses Mal war ich vollkommen zufrieden damit, ihn zu überqueren. Im letzten Moment, direkt bevor sich die Türen öffneten, drückte mir Della einen Blumenstrauß in die Hände; sie tauchte aus dem Nichts auf und schlich zurück in die Schatten, wie es nur ein Vampir konnte.

 

Sobald die Türen aufgingen, erklang ein Lied von Bonhom.

 

Unser Lied.

 

Der Saal war voller Menschen – die ich alle kannte, kein einziges unbekanntes Gesicht –, aber ich sah nichts davon. Alles, was ich sah, war mein Ehemann, der auf mich wartete. Der weite Weg fühlte sich ewig an, das langsame Tempo des Liedes ließ meinen Gang wie eine Ewigkeit erscheinen, aber als ich ihn erreichte, wusste ich, dass es das wert war.

 

Alistairs Hand schloss sich um meine und zog mich nah an sich heran.

 

»Überraschung, Liebes«, hauchte er gegen meine Lippen und jagte mir auf köstlichste Weise einen Schauer über den Rücken. »Die Hochzeit, die du verdienst, ohne auch nur einen Moment davon planen zu müssen. Eine Feier nur für uns.«

 

Und obwohl wir noch kein einziges Gelübde gesprochen hatten, küsste er mich, als wäre alles, was wir jemals sagen müssten, bereits gesagt worden.

 

Er liebte mich. Ich liebte ihn. Wir würden für immer zusammen sein.

 

Die Reihenfolge war vielleicht vertauscht, aber so waren wir nun mal.

 

Widernatürlich bis zum Ende.

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