
NIGHT WATCH BONUSSZENE

Dies ist Sloane & Bastians erstes Trinken aus seiner Sicht. Viel Spaß beim Lesen!
Bastian
Monate der Suche nach dem Monster, das die Stadt zerfleischt, und was bekommen wir? Ein Kind. Ein blutendes Kind. Sloane Cabot konnte höchstens dreiundzwanzig sein, und sie hatte sich durch fast ganz Ascension gekämpft und dabei Abtrünnige am laufenden Band niedergemetzelt. Das Kopfgeld auf sie war höher als alles, was ich in sechs Monaten gesehen hatte, und Emrys wollte es einfach verschenken?
Unsere furchtlose Anführerin wollte, dass dieser kleine Albatros bleibt.
Bei uns.
Im Team.
Damit sie was tut? Noch mehr tötet und uns alle auf das Schafott bringt? Damit sie die einzigen Menschen gefährdet, die ich seit Jahrhunderten als Familie bezeichne? Damit sie Simon in noch größere Schwierigkeiten bringt, als er ohnehin schon steckt?
Nicht unter meiner verdammten Aufsicht.
Ich rannte die Treppe hinauf und zapfte die Zeitmagie ein wenig an, die mich in einem Kampf so viel schneller machte. Der einzige Weg, zuerst bei ihr zu sein, war, irgendwie schneller am Abzug zu sein als eine uralte Druidin und ein noch älterer Vampir. Ich griff nach der Elektrizität, die unter meiner Haut floss, formte einen Magieball in meiner Handfläche und sprengte die Tür zu Emrys’ Büro weit auf.
In einem herrlichen Blitz erhob sich Emrys von ihrem Stuhl; ihre leuchtende Handfläche fegte meine Magie beiseite, so schnell, als wäre ich das Kind. Der Geruch von Ozon und verbrauchter Magie lag schwer in der Luft.
Sie kniff die Augen zusammen, die Kiefer fest aufeinandergepresst, während ihr irischer Akzent in meinem Kopf und meinen Ohren dröhnte. »Du hast es prophezeit, Thomas. Es sieht so aus, als hätten wir einen Freiwilligen.«
Freiwilliger?
»Freiwilliger wofür?«, knurrte ich, während Sloane gleichzeitig ein erschrockenes »Was?« ausstieß.
Sie schüttelte den Kopf und krallte ihre Finger in die Lehnen des Stuhls, ihre violetten Augen leuchteten im fahlen Licht.
»Schaffen Sie ihn hier raus«, knurrte sie, während ihre Reißzähne länger wurden und sie sich über die Lippen leckte. »Ich werde ihn töten. Bitte.«
Tränen sammelten sich in ihren Augen, bevor sie sie fest zusammenpresste.
»Ich werde ihn töten«, flüsterte sie, mittlerweile flehend, aber ich war immer noch darauf fixiert, wie sie sich stocksteif hielt, wie sie gegen alles in sich ankämpfte, um in diesem Stuhl sitzen zu bleiben. Und wenn ich ehrlich zu mir selbst war, musste ich zugeben, dass sie zu finden ganz anders war, als ich gedacht hatte. Sie war gütig zu Dahlia gewesen. Sie war fast wie eine ...
Retterin?
Und wenn ich wirklich ehrlich sein wollte, würde ich ...
Nein. Sie ist eine Mörderin. Sie ist ...
Verdammt schön. Wild. Wie eine gefährliche Blume oder eine Raubkatze. So wunderschön und so tödlich zugleich.
Thomas kniete sich vor sie hin, sein Gesicht wirkte einen Moment lang weich, bevor seine übliche Maske der Gleichgültigkeit wieder einrastete. »Du wirst ihn nicht töten. Ich werde hier sein, um es dir beizubringen. Ich kann nicht zulassen, dass jemand aus meiner Linie Arcaner am laufenden Band ermordet, oder? Wenn es so aussieht, als würdest du zu viel nehmen, halte ich dich auf.«
Dann begriff ich endlich. »Sie wollen sie von mir trinken lassen? Was zum Teufel, Emrys?«
Emrys warf mir einen so unverhohlenen tadelnden Blick zu, dass man sich kaum dagegen wehren konnte, sich wie ein Zehnjähriger zu fühlen. »Das ist deine Buße dafür, dass du sie im Arrestbereich angegriffen hast, ganz zu schweigen von deinem dummen Wutanfall in meinem Büro vor einer Sekunde. Ich habe dir eine Aufgabe gegeben, und du hast versagt. Jämmerlich. Du hast dich dort unten bewusst meinen Befehlen widersetzt und tust das seitdem mit jedem einzelnen tölpelhaften, zorngefüllten Fehltritt, seit ich sie hierher gebracht habe.«
Ich prallte auf meinen Fersen zurück, als hätte man mir eine geohrfeigt. Emrys wusste, was ich aufgegeben hatte, um Simon zu schützen. Wie viel ich geopfert hatte, um sicherzustellen, dass er am Leben blieb. Und sie wollte eine eiskalte Mörderin ins Haus holen?
Sie war eine Bedrohung für meinen Bruder, das letzte Stück Familie, das ich noch hatte. Sie war eine Bedrohung für Dahlia und Harper. Es spielte keine Rolle, wie furchtbar ihre Geschichte war oder wie schön sie aussah. Sloane Cabot war gefährlich.
»Sie sollte nicht hier sein. Sie gehört nicht zu uns.«
»Ach ja, weil jeder in diesem Haus einen so glänzenden Ruf hat?«, spottete Thomas, während das Weiß seiner Augen rot geädert anlief und er seine Reißzähne ausfuhr.
»Ich bin kein—«, begann ich, aber Thomas schnitt mir das Wort ab.
»Lüg nicht. Sie unterscheidet sich nicht von uns. Nicht einmal von dir. Und sie muss lernen, wie man trinkt, damit sie weder für dich noch für deinen Bruder oder sonst jemanden in diesem Haus eine Gefahr darstellt. Soll ich stattdessen Simon fragen, ob er sich freiwillig meldet?«
Ich machte einen Schritt auf ihn zu, bevor ich es mir anders überlegte. Es war egal, wie viel Kraft unter meiner Haut pulsierte, Thomas konnte mich in einem fairen Kampf besiegen – oder in einem unfairen, wie es meistens der Fall war. Ich wappnete mich und senkte den Blick auf das Raubtier, das gegen den Drang ankämpfte, mir die Kehle aufzureißen.
»Ich mache das, und dafür halten Sie sich von meinem Bruder fern.«
»Nein«, flüsterte Emrys, und das einzige Wort klang wie eine Drohung. »Sie wird ein Mitglied unseres Hauses sein. Sie wird mit uns speisen – sie wird mit uns kämpfen. Du und deine Ängste werden dem nicht im Weg stehen.«
Ich konnte sie nicht von Simon fernhalten, und er konnte nicht weg. Ich musste um etwas anderes feilschen. »Schön. Wenn ich das tue, darf sie von niemand anderem trinken. Nicht von Simon, nicht von Dahlia oder Harper. Nur von mir. Abgemacht?«
Es war ein mieser Deal, aber einer, den ich für Simon millionenfach eingehen würde.
»Hervorragend«, schnurrte Thomas, und sein Lächeln war von der Sorte, die meine Albträume heimsuchen würde – falls ich danach überhaupt noch lebte, um welche zu haben. »Komm dann her. Ich habe das Gefühl, wenn sie von diesem Stuhl aufsteht, wird sie dir die Kehle herausreißen.«
Sloane zuckte zusammen und knirschte mit den Zähnen, als würde ihr der Gedanke Schmerz bereiten, und das ließ meine Schritte zögern, während ich näher kam und vor ihren Füßen niederkniete. Als sie sich nicht rührte, klopfte ich ihr mit dem Handrücken gegen die Seite ihres Oberschenkels.
Sie schluckte schwer, öffnete ihre Beine, und ich schob mich zwischen sie. Thomas’ eisiger Griff legte sich auf ihre Schultern, und ich zwang mich, nicht darüber nachzudenken, was es bedeuten könnte, zwischen ihren Schenkeln zu sein.
Sie ist eine Mörderin.
Thomas hielt einen Vortrag darüber, wie sie trinken sollte, aber ich beobachtete nur, wie sich ihre Brust bei den Atemzügen hob und senkte und ihre Augen auf meinen Hals fixiert waren und ...
Sie ist eine Mörderin.
»Ich werde mein Bestes geben«, flüsterte sie, unfähig, ihren Blick von meiner Kehle abzuwenden.
»Beruhigend«, murmelte ich und rückte näher, während ich meine Hände fest um ihre Unterarme schlang, um sie an den Sitz zu pressen. Sie war tot, oder? Warum war sie dann so warm? Warum drang ihre Hitze durch ihre Kleidung in mich ein, als wäre sie eine winzige kleine Sonne? Warum ...
Sie ist eine Mörderin.
»Beiß an der Halsschlagader vorbei, nicht hindurch. Verstanden?«, riet Thomas, und sie nickte ihm flüchtig zu, während ihre Augen hell leuchteten und ihre Fangzähne länger wurden.
Und dann schlug sie so schnell zu, dass sie mich überrumpelte. Ihre messerscharfen Zähne schnitten mit der Effizienz einer ausgebildeten Attentäterin in meinen Hals. Und diese Hitze, die mich zuvor durchströmt hatte, war nun ein loderndes Feuer in meinen Venen, das etwas in mir anstachelte, das sie näher haben wollte, das sie nackt sehen wollte.
Sie schluckte einmal, und mein Schwanz regte sich gegen den Reißverschluss. In diesem Moment war es egal, ob sie eine Mörderin war oder nicht. Es war egal, dass ihr Mund mich aussaugte. Ich wollte in sie hinein. Ich wollte sie nackt und unter mir und wollte, dass sie in meinen Mund stöhnt, während sie immer und immer wieder kommt.
Sie schluckte erneut, und ich konnte mich nicht zurückhalten, sie festzuhalten, während das Vergnügen mich durchströmte. Ich brauchte sie, verdammt noch mal, jetzt sofort. Ich brauchte sie so sehr, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte.
»Es ist Zeit aufzuhören, Sloane«, murmelte Thomas, dieser verdammte Bastard. Er musste verschwinden. Ich ...
Sloane zog ihre Fangzähne zurück, aber irgendwie war mein Gehirn immer noch vernebelt. Vielleicht lag es an ihrer Hand in meinem Haar oder daran, wie sie mein Hemd umklammerte oder wie verdammt gut sich ihr Hintern in meiner Hand anfühlte.
Ich konnte mich nicht bewegen. Wenn ich mich bewegte, würde ich etwas völlig Verrücktes tun. Sie zu küssen oder sie auf dem Boden von Emrys’ Büro zu vögeln. Das Beste, was ich tun konnte, war, meinen Kopf an ihre Brust zu lehnen und zu versuchen, mich ein wenig zu beruhigen.
»Leck die Wunden«, wies Thomas sie an. Sie versteifte sich in meinem Griff. »Ich meine es ernst. Das hilft bei der Blutgerinnung.«
Verdammt. Wenn sie mich jetzt leckt ...
Dann fuhr ihre Zunge über das Blut, das meinen Hals hinunterlief, und ich konnte nicht anders, als sie an mich zu drücken und sie fester zu umfassen, während ein Schauder meinen ganzen Körper erschütterte.
Sie ist eine Mörderin.
Schließlich ließ ich sie los und sammelte mich genug, um aufzustehen. Aber ich konnte sie nicht verlassen – nicht, bevor sie mich ansah. Nicht, bevor ich wusste, ob das, was ich fühlte, auf Gegenseitigkeit beruhte.
Widerstrebend blickte sie auf, ein angedeutetes Zucken in ihrem Gesicht, während sie darauf wartete, welche Beleidigung oder Drohung aus meinem Mund kommen würde. Und warum auch nicht? Das war alles, was ich bisher getan hatte.
Sie ist eine Mörderin.
Ist doch scheißegal, oder? Du willst sie, Mörderin hin oder her.
Damit müsste ich irgendwann klarkommen, aber in diesem Moment wusste ich eines mit Sicherheit. Sloane Cabot gehörte mir. Sie gehörte mir auf jede erdenkliche Weise. Mein Blut floss in ihren Adern. Mein Blut hielt sie am Leben.
Mein Blut und das von niemand anderem.
Sie ist eine Mörderin.
Das sind wir alle.
Ihre Haut hatte ihre fahle Farbe verloren, ihre Wangen wirkten weniger eingefallen. Das hatte ich getan. Ich. Mit ausdruckslosem Gesicht stellte ich meine Forderung, meine Mahnung – ein Versprechen, das ich wollte, aber wahrscheinlich nicht bekommen würde.
»Niemand sonst«, knurrte ich in den stillen Raum und genoss die Gänsehaut, die über ihre Haut lief, als ihr der Atem stockte. »Nur ich.«
Und der Blick in ihrem Gesicht sagte mir alles, was ich wissen musste.
Sloane Cabot gehörte mir.
Sie wusste es nur noch nicht.
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