
DEAD & BURIED BONUSSZENE

Es gab eine Sache, die einem niemand über den Urlaub erzählte: Die Sonne war herrlich. Sie war das Prachtvollste im Universum, und niemand konnte mich vom Gegenteil überzeugen. Ich mochte zwar eine wandelnde, sprechende PTBS-Diagnose sein, aber verdammt, diese Sonne heilte gerade einen ganzen Haufen Mist.
Sobald sie heute Morgen aufging, parkte ich meinen Hintern am Strand, mit einer Tasse Kaffee und einem Teller voller Snacks, und rührte mich nicht vom Fleck, außer um mich etwa jede Stunde umzudrehen. Wenn mir zu heiß wurde, tauchte ich in das kühle, kristallklare Wasser ein, bevor ich den Prozess fortsetzte, mich knusprig braun zu backen.
Jahrelang war ich beinahe nachtaktiv gewesen. Jetzt tankte ich Vitamin D für ein ganzes Jahrzehnt, und niemand würde mich aufhalten. Angesichts der Tatsache, dass ich den knappsten Bikini trug, den die Menschheit je gesehen hatte, beschwerte sich Aemon auch nicht gerade.
Ursprünglich hatten wir geplant, auf irgendeine einsame Insel zu fliegen – zumindest Aemon hatte das –, aber ich brachte ein sehr gutes Argument vor, an das er nicht gedacht hatte. Salzwasser. Wie sollte ich Spaß im Wasser haben, wenn er nicht hineingehen konnte, ohne bei lebendigem Leib zu verbrennen?
Was für Flitterwochen wären das denn bitteschön?
Also bekam Aemon statt einer Insel vor der Küste Thailands die Erlaubnis, einen abgelegenen Teil der Unterwelt zu nutzen, den Hades und Persephone nur selten verliehen. Es gab dort ein Meer voller Süßwasser, prachtvolle, grün bewachsene Klippen, eine wunderschöne Hütte nur wenige Meter vom Strand entfernt und alle Snacks, die ich essen konnte.
Zusätzlicher Bonus: kein Sonnenbrand. Niemals.
Aber das fehlende Sonnenbrandrisiko hielt Aemon nicht davon ab, mich jedes Mal mit Bräunungsöl einzureiben, wenn ihm danach war. Ich bekam meine Strandzeit und Aemon durfte mich regelmäßig einölen und jedes Taschenbuch lesen, das sein Herz begehrte.
Es war herrlich. Keine Seelen, die mich nervten. Keine Anrufe über Arkanisten, die irgendeinen Scheiß bauten. Da war nur das Rauschen der Wellen und ein außergewöhnlich heißer Mann, der nach Wegen suchte, mich aus dem roten String-Bikini zu befreien, den ich nur für ihn aus dem Nichts herbeigezaubert hatte. Eines Tages würde er die Nummer mit dem sexy Kleid und ohne Unterwäsche bekommen, aber damit wartete ich auf einen besonderen Moment.
»Weißt du, ich bin mir nicht sicher, ob du das hier brauchst«, murmelte Aemon, während er mit dem Bändchen an meinem Rücken spielte, das mein Oberteil zusammenhielt. »Ich wette, ohne wäre es viel bequemer. Außerdem gäbe es keine Streifen beim Bräunen.«
Ich hob den Kopf von der Stranddecke und warf ihm einen verschwörerischen Blick zu. »Und ich glaube dir. Wirklich. Aber wenn ich mein Oberteil hier draußen ausziehe, wie willst du es mir dann vom Leib schälen, wenn wir drinnen sind? Eigentlich denke ich nur an dich, wenn ich es anbehalte.«
Außerdem hatte ich Familie in der Unterwelt. Das Letzte, was ich brauchte, war, dass Sloane – oder schlimmer noch, mein Dad – vorbeischaute, während ich oben ohne in meinen Flitterwochen herumlag. Schönen Dank auch.
Flitterwochen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals so etwas erleben würde. Heiraten stand nie auf meinem Plan. Ich hatte immer gedacht, dass für jemanden wie mich einfach kein Partner vorgesehen wäre. Jetzt, da ich einen – schluck – Ehemann hatte, war es eigentlich ganz nett. Es brachte mich auch dazu, über mich selbst zu lachen. Als Aemon und ich das erste Mal zusammenkamen, dachte ich, er würde irgendwann das Interesse an mir verlieren.
Jetzt saß er mit mir fest. Festsaß war wohl das falsche Wort, aber wie man es auch drehte und wendete, schien es Aemon nichts auszumachen.
»Du hast Angst, dass deine Schwester auftaucht, oder?«, fragte Aemon mit einem so breiten und verschmitzten Lächeln, dass ich ihn am liebsten direkt hier am Strand geküsst hätte, mögliche Zuschauer hin oder her.
»Private Orte sind nur für Leute wirklich privat, die man nicht mal eben spontan aufspüren kann. Wenn du über mich herfallen willst, muss das drinnen passieren.«
Wieder sah er aus, als hätte ich gleichzeitig seinen Geburtstag, Weihnachten und den Super Bowl abgesagt.
»Aber was, wenn ich dich mit ins Wasser nehmen und die Fische erschrecken wollte? Oder dich am Strand im Mondschein vögeln?«
Mein Innerstes zog sich zusammen. »Verlockend. Sehr verlockend.«
Mein Bauch entschied sich in diesem Moment für ein Knurren, das an einen Walgesang erinnerte. Selbst ohne Seelen, die meine Energie aussaugten, war ich immer noch das Krümelmonster, wenn es um Essen ging. Aemon richtete sich auf der Decke auf und spähte über mich hinweg zu meinem Snackvorrat. Ich brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass mir das Essen schon vor einer Stunde ausgegangen war.
»Na gut. Fische erschrecken wir später, jetzt gibt’s Essen. Ich habe noch etwa zwanzig Minuten, bevor du zu einer völlig anderen Person wirst.«
Ich wollte widersprechen, aber der Mann hatte recht.
»Ich habe an einem Gericht gearbeitet, von dem ich glaube, dass es dir schmecken wird. Ich glaube, es heißt ›Nachos‹. Hast du davon schon mal gehört?«
Ja, das war's. Ich hatte das große Los gezogen.
»Mit dem flüssigen Käse, der definitiv kein Käse ist?«, fragte ich und sah ihn über den Rand meiner Sonnenbrille mit großen Hundeaugen an.
Er drückte einen Kuss auf meine Schulter und streifte die Haut dabei mit seinen Fangzähnen. »Nur das Beste für dich, Flower.«
Hatte ich Hunger? Brauchte ich diese Nachos?
Mein Magen stieß ein weiteres Geheul aus.
»Ich bin gleich mit dem Essen zurück«, sagte er und stand auf. »Deine Aufgabe ist es, darüber nachzudenken, was wir tun, um die Fische zu erschrecken.«
Er beugte sich hinunter und drückte seine Lippen sanft auf meine, bevor er zur Hütte zurückging. Woher er die Zutaten für Nachos nehmen wollte, wusste ich nicht, aber ich würde es nicht hinterfragen. Aemon würde einen Weg finden, mir Nachos zu besorgen, selbst wenn er dafür einen Abstecher zur Erde machen müsste.
Ich machte es mir gerade wieder auf der Decke gemütlich, als eine Präsenz die Luft zu meiner Rechten störte, genau dort, wo Aemon eben noch gewesen war. Als ich aufsah, lag eine pinkhaarige, Stilettos tragende Göttin auf meiner Stranddecke und starrte mich an wie die Katze den Kanarienvogel.
Fate.
»Von all den Zukünften, die ich für dich gesehen habe, dachte ich ehrlich gesagt nicht, dass du es bis zu dieser hier schaffst. Ich bin so froh, zur Abwechslung mal eines Besseren belehrt zu werden.« Sie rollte sich auf den Bauch und stützte ihr Kinn in die Hände. »Gern geschehen.«
Es war schwierig, einem Mädel danke zu sagen, das nicht sonderlich an meiner Zukunft interessiert zu sein schien, aber um der Höflichkeit willen schenkte ich ihr ein gewinnendes Lächeln.
»Ich weiß die Geste zu schätzen. Und den Kuss. Ich nehme an, der hat mir ein bisschen auf die Sprünge geholfen?«
Fate hatte mir bei unserem letzten Treffen einen sehr seltsamen Kuss auf die Stirn gegeben.
»Von Fate geküsst zu werden, hat sicher nicht geschadet, aber du hast das meiste allein geschafft.« Sie blickte zur Hütte und dann zurück zum Wasser. »Du hast dir das verdient, weißt du. Du hast das verdient.«
Ich zuckte mit den Schultern und blickte zur Hütte, in der Aemon verschwunden war. Ich würde versuchen, es zu verdienen, und vielleicht würde ich es eines Tages auch selbst glauben. Das war doch Heilung, oder? Zu wissen, dass es eines Tages besser werden würde, dass es okay war, ein bisschen kaputt zu sein, bis die Wunde verheilt war?
»Darf ich dir einen Insider-Tipp geben?«
Ich verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. Von all den Leuten, denen sie die Zukunft voraussagen konnte, war es ausgerechnet die eine Person, die sie nicht wissen wollte. Wahrscheinlich war sie genau deshalb so erpicht darauf, es mir zu sagen, weil ich es nicht wissen wollte.
»Warum nicht? Schieß los, wenn es dich glücklich macht.«
Fates Lächeln war gütig und ein kleines bisschen hinterhältig. »Von hier an geht es nur noch leichter, weißt du. Was dich und die Deinen angeht? Es ist Zeit für dich, die Dinge entspannt anzugehen, Darby, und für eine ganze Weile dein Glück zu genießen. Ich sage nicht, dass es keine Stolpersteine geben wird, aber …«
Es war, als wäre ein zentnerschwerer Felsbrocken von meiner Brust genommen worden.
Glück.
Das war ein größeres Geschenk, als sie ahnte.
Ich sah auf, ein »Danke« auf den Lippen, aber sie war verschwunden. Einen Moment später schnappte mich Aemon vom Strand weg und prustete mir in den Nacken.
Vor Lachen quietschend ließ ich mich von Aemon zur Hütte zurücktragen. Wir fütterten uns gegenseitig mit klebrigen Nachos, tranken fruchtige Insel-Drinks und er durfte mir den Bikini ausziehen.
Und Fate hatte recht.
Von da an ging alles wie von selbst.
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